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Bloß nicht aufgeben !
Veröffentlicht am: 15.09.2006
Auf dem Bildschirm ist ein dreidimensionales Bauteil zu sehen. Ein Knopfdruck auf der PC-Tastatur – und es dreht sich um die eigene Achse. Ein weiterer Knopfdruck – und das Bauteil wird virtuell in seine einzelnen Elemente zerlegt. Um Jörg Baumann, den technischen Leiter der Firma Haca Leitern Bad Camberg, schart sich eine Gruppe junger Männer, die sich von ihm auf der von der Jungen Union (JU) Bad Camberg organisierten Ausbildungsmesse zeigen lassen, welche Aufgaben ein technischer Zeichner hat.
Pascal Kremer (17) aus Würges ist von der Demonstration angetan. „Dinge konstruieren, Zeichnen und Werken, das liegt mir“, sagt der Realschüler aus der Schule im Emsbachtal in Niederbrechen. Im Januar wird er sich bei Haca auf einen Ausbildungsplatz als technischer Zeichner bewerben, hat er gerade beschlossen. Jörg Baumann bestärkt ihn und seine Klassenkameraden darin und erklärt, wie die Bewerbungsverfahren in seinem Unternehmen ablaufen: „Ihr bewerbt euch schriftlich, bei uns erwartet euch dann ein Einstellungstest. Um ihn zu bestehen, müsst ihr die Grundrechenarten beherrschen und recht gut in Deutsch sein. Danach gibt es ein Gespräch. Wenn ihr euch dort gut verkauft, seid ihr in der engeren Auswahl.“
Dorthin zu gelangen sei gar nicht so schwer, fügt Baumann aufmunternd hinzu. Allerdings musste er gerade in diesem Jahr erleben, dass die Hürden für die meisten Bewerber offensichtlich doch sehr hoch sind: Drei von insgesamt vier Lehrstellen konnte seine Firma bisher nicht besetzen. Für das laufende Ausbildungsjahr sind noch zwei Plätze für angehende Industriekaufleute und eine Lehrstelle als technischer Zeichner frei. Und das, obwohl weit mehr als 100 Bewerbungen eingegangen seien. „Aber die Bewerber waren teilweise so schlecht, dass sie weder die Grundrechenarten noch richtig Deutsch konnten“, sagt Baumann. „Von Realschulabgängern muss man das erwarten können.“ Er sehe zudem mit Sorge, dass viele Bewerber bereits nach einigen gescheiterten Versuchen aufgeben. Deshalb ist es ihm ein Anliegen, die Jugendlichen zu motivieren. „Ich weiß, dass es schwer ist“, sagt er zu den Schülern, die um ihn herumstehen. „Aber ihr habt so viele Möglichkeiten!“
Schülern einen Überblick über einen Teil dieser Möglichkeiten zu geben ist das Ziel, das die JU Bad Camberg mit ihrer Ausbildungsmesse verfolgt. Zum zweiten Mal fand diese Messe gestern statt. Zehn Informationsstände waren im Bürgerhaus aufgebaut: Neben Haca stellten sich Provadis, Aldi, die Deutsche Vermögensberatung, Fraport, die Telekom, DAK, AOK, „Thomas Benner Walk about“ sowie die Agentur für Arbeit vor.
Zu Gast waren vor allem Schüler aus der Umgebung. „Wir wollen Schülern aller Schulformen die Möglichkeit bieten, sich über Firmen und Ausbildungsberufe zu informieren. Denn viele Unternehmen beklagen, dass Jugendliche oft gar nicht wissen, worauf sie sich eigentlich bewerben“, sagt der JU-Vorsitzende Dominik Schöneberger, der die Messe zusammen mit Vera Waldherr organisiert hat.
Am Stand der AOK füllen Julia Serfaus (16) aus Werschau und Melanie Jost (17) aus Niederbrechen den „Berufs-Check“ aus. Ob man lieber im Freien oder in geschlossenen Räumen arbeiten möchte, Kontakt zu Kunden haben will, eher technisch oder sozial interessiert ist und lieber mit Muskelkraft oder am PC tätig sein möchte, will der Fragebogen wissen. Entschlossen macht Julia ein Kreuz bei „mit Tieren und Pflanzen arbeiten“. Denn der Wunschberuf der 16-Jährigen ist Pferdewirtin. Sie reitet und liebt Tiere über alles. Dass sie ihren Traumjob mit Tausenden anderer Mädchen teilt, weiß die Schülerin der Emsbachtalschule. Deshalb ist sie auch bereit, für eine Lehrstelle den Wohnort zu wechseln. „Ich habe schon im Internet recherchiert, wo es Ausbildungsplätze für Pferdewirte gibt“, sagt sie.
Ihre Freundin Melanie möchte Köchin oder Bäckerin werden. Auch sie sagt: „Wenn es sein muss, ziehe ich auch um.“ Die 17-Jährige hat nach ihrem Hauptschulabschluss bereits 20 bis 30 Bewerbungen geschrieben – ohne Erfolg. Deshalb strebt sie nun den Realschulabschluss an. „Damit werde ich bessere Chancen haben“, ist sie sich sicher.
Kerstin Wolf weiß, dass Ausdauer nötig ist, um ans Ziel zu kommen. Die Merenbergerin hat dieses Jahr Abitur am Gymnasium Philippinum in Weilburg gemacht und ebenfalls rund 20 Bewerbungen verschickt. Schließlich mit Erfolg: Sie ist seit 1. August Azubi als Sozialversicherungsfachangestellte bei der AOK Hessen. „Und ich bin sehr zufrieden“, sagt sie.
Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Nassauischen Neuen Presse, Tageszeitung für Limburg, Weilburg, Bad Camberg und die Region.
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